Junge Menschen helfen dem Amt: Ko-Kreation in der Berufsberatung
Wie Jugendbeteiligung neue Zugänge zur Jugendberufsagentur Berlin geschaffen hat
Wie erreicht man junge Menschen, die von klassischen Beratungsangeboten kaum angesprochen werden?
In einem Pilotprojekt mit der Jugendberufsagentur Berlin haben wir gemeinsam mit Jugendlichen neue Zugänge zur Berufsberatung entwickelt, direkt aus ihrer Lebenswelt heraus. Das Ergebnis: konkrete, funktionierende Lösungen, die zeigen, wie wirksam echte Beteiligung sein kann.
Inhaltsverzeichnis:
- Herausforderung und Ziele
- Der Prozess
- Unsere Methoden und Formate
- Das Ergebnis
- Erfolge
- Das Projekt-Team von fint
1. Die Herausforderung und Ziele
Die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung wollte die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Jugendberufsagentur Berlin (JBA) verbessern.
Das Ziel? Schwer erreichbare Jugendliche ohne Arbeit, Ausbildung oder Schule dazu bewegen, sich beraten und weiterhelfen zu lassen. Diese Gruppe junger Menschen wird immer größer, parallel steigt auch der Fachkräftemangel. Grund genug Wege zu finden, wie junge Menschen in schwierigen Lebenslagen eine gute Zukunft für sich entwickeln können.
Unser User Research zeigte, dass viele Jugendliche die Einrichtung entweder gar nicht kannten oder den Zugang zur JBA Berlin als wenig einladend und unübersichtlich wahrnahmen, sowohl digital als auch vor Ort. Bis dato benutzte Kampagnenbegriffe wie „Traumberuf“ oder „Zukunft“ lösten eher Druck als Orientierung aus. Zwischen der Lebenswelt der Jugendlichen und den administrativen Strukturen bestand eine deutliche Distanz, die die Kontaktaufnahme zusätzlich erschwerte.
Ziel des Pilotprojekts war es daher, statt einer weiteren Imagekampagne die bestehenden Zugänge zur Berufsberatung weiterzuentwickeln und komplett neue Wege der Kontaktaufnahme zu finden. Zentrales Verständnis der Herangehensweise bildete von Beginn an die Beteiligung der Jugendlichen an allen Projektphasen. Für die damit verbundene Arbeit wurden sie auch entsprechend gewürdigt und entlohnt.
2. Der Prozess
1. Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse:
Auf die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen Stand zum Thema folgte eine gemeinsame Zielgruppendefinition mit dem Auftraggeber. Die Gespräche mit Jugendlichen, Fachkräften aus dem Bereich Sozialarbeit sowie den Mitarbeitenden der Jugendberufsagentur Berlin zeigten die Vielschichtigkeit der Problematik auf. Die Ergebnisse wurden in einem Recherchebericht zusammengefasst, der den verschiedenen Institutionen, die hinter dem Prinzip Jugendberufsagentur stehen, zugänglich gemacht wurde: Arbeits-, Bildungs- und Schulverwaltung des Landes Berlin sowie die lokal zuständigen Arbeitsagenturen und JobCenter.
2. Ko-Kreation und Partizipation:
In mehreren Workshops entwickelten Jugendliche anschließend gemeinsam mit Kreativen und Expert*innen Ideen für bessere Zugänge zur Berufsberatung. Diese Vorschläge wurden in der Folge mit anderen Jugendlichen kritisch befragt und weiterentwickelt. Die Konzepte wurden so iterativ angepasst und parallel auf organisatorische und rechtliche Umsetzbarkeit abgestimmt. Es entstanden tragfähige Ansätze basierend auf Praxisrückmeldungen und institutionellenErfahrungen.
3. Testing und Prototyping:
Parallel wurden die Erkenntnisse aus der Arbeit mit den Jugendlichen und Kreativen immer wieder mit verschiedenen Leitungs- und Fachkräfte-Gruppen des Auftraggebers geteilt, aufgearbeitet und ergänzt. Es war wichtig die Motivationen, Ängste, Wünsche und Ideen aller am Prozess Beteiligten immer wieder zu spiegeln und gemeinsam einzuordnen, damit ein gemeinsames Verständnis über die Zielerreichung entsteht. Ausführliche Zwischen- und Abschlussberichte dienten zudem dem Auftraggeber als Nachschlagewerk zu Projekterkenntnissen und -verlauf. Von Beginn an wurde auch die Verstetigung der verschiedenen Pilotmaßnahmen über das Projektende hinaus angedacht und vorbereitet.
4. Kooperation:
Die Suche nach Lösungen für die Überarbeitung der behördlichen Zugänge sowie deren Gestaltung war nur mithilfe von externen Projektpartnern möglich. In diesem Projekt waren dies vornehmlich die Kreativagentur Sandra International und das Mobile Berufscoaching von Outreach Neukölln.
3. Unsere Methoden und Formate
Im Projekt kamen verschiedene Formate zum Einsatz, die Jugendbeteiligung konkret machen:
Ko-kreative Workshops
Ideenentwicklung anhand konkreter Fragestellungen zur Erreichbarkeit der Beratung
Feedback-Kultur
Bewertung der Konzepte durch weitere Jugendliche
Prototyping
Erprobung von Kommunikationswegen und Raumkonzepten
Peer-Ansatz
Jugendliche übernahmen Rollen in der Erstansprache von Ratsuchenden
Die Methoden verbanden Beteiligung und Umsetzbarkeit. Jugendliche brachten Anforderungen ein und Fachkräfte integrierten diese in den Arbeitsalltag.
4. Das Ergebnis
Aus dem Prozess entstanden mehrere konkrete Zugänge zur Berufsberatung
Ein selbst gestalteter, offener Jugend-beratungstreff
mit Programmangebot in einem der JBA-Gebäude als Prototyp für einen niedrigschwelligen Begegnungsraum
Eine neue Kontaktmöglichkeit
Die JBA war für einen Testzeitraum über eine neue WhatsApp Nummer anschreibbar. Der Clou: Nicht Fachkräfte übernahmen den Erstkontakt, sondern Jugendliche selbst. So entstanden Chats auf Augenhöhe mit dem Ziel Hemmungen im Erstkontakt abzubauen
Eine begleitende, zielgruppenaffine TikTok-Kampagne
zur Sichtbarmachung des neuen Zugangs
5. Erfolge
Die neuen Formate führten zu direkten Kontaktaufnahmen und wurden aktiv genutzt. Besonders wirksam erwiesen sich:
persönliche Ansprache
gleichaltrige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner
freiwillige Begegnung ohne Beratungsdruck
Gleichzeitig förderte der Prozess ein besseres Verständnis zwischen Jugendlichen und Fachkräften und floss in die Weiterentwicklung der Angebote ein.
Das Projekt zeigt, dass Berufsberatung besonders gut angenommen wird, wenn sie gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt wird. Ko-Kreation wird so zum festen Bestandteil der Konzeptentwicklung. Die Jugendberufsagentur Berlin prüft aktuell Wege, um die Mitarbeit von Jugendlichen bei ihrer Organisationsentwicklung zu verstetigen. Wir freuen uns, dass immer mehr Verwaltungen, Behörden und Ämter Ihre Kundenwirkung kritisch befragen, Möglichkeiten der Beteiligung eröffnen und diese im Rahmen innovativer Pilotprojekte prozessual begleiten lassen.
Mehr Details zum Projektverlauf und den Ergebnissen findet ihr im Abschlussbericht.
8. Das Projekt-Team von fint
Im Projekt-Team von fint:
Astrid Möller ist …
Anton Schünemann ist …
Du brauchst Unterstützung bei der Planung und Umsetzung … ? Dann melde dich gerne bei uns.
hallo(at)fint.team